Freie Turnerschaft Preetz e.V.

Reporter, 01.10.2008

Tischtennis
Posted by Administrator (admin) on Jan 17 2009 at 03:46
Presse >> Tischtennis

Paralympics-Teilnehmerin Andrea Zimmerer brachte viel mit aus Peking

Neben Silber und Bronze auch Erfahrung und eine Entscheidung

Der Weg war nicht immer ganz leicht für Andrea Zimmerer aus Schellhorn. Dafür spricht das Ziel für sich. Die erfolgreiche Rollstuhltischtennisspielerin der FT Preetz krönte ihre Sportkarriere mit einer Silber- und einer Bronzemedaille bei den Paralympischen Spielen in Peking.

Andrea Zimmerer war bereits etliche Male Landesmeisterin, Deutsche Meisterin und im Jahr 2007 Europameisterin. Obgleich sie zu den Ausnahmeerscheinungen im Rollstuhltischtennis zählt, glaubt sie bescheiden daran, dass man die Chance auf eine Teilnahme an Paralympischen Spielen nur einmal im Leben bekommt. Daher steckte sie in den letzten Jahren neben ihrem ganzen Herzblut vorallem viel Kraft in diese Chance. Besonders in den letzten Monaten bestimmte ihr Training ihren Alltag. Vier Mal in der Woche spielte Andrea Zimmerer Tischtennis. Übrigens gegen Partner ohne Rollstuhl, da es in Deutschland kaum Trainingspartner für Zimmerer gíbt, die auf derartigem Niveau Tischtennis spielen. Dazu besuchte sie zwei Mal in der Woche das Sport- und Therapiezentrum, um ihre Koordination zu optimieren und auch mental belastbarer zu werden. "Das gute Training hat mir viel Selbstbewußtsein mit auf den Weg gegeben", so Zimmerer. Dennoch sei das harte Training an ihre Substanz gegangen."Ich habe oft gezweifelt", sagt sie ehrlich. Die sympathische 43-jährige plagten gesundheitliche Sorgen. Sie hatte Angst, ihrem Körper zu viel zuzumuten. Eine Angst, die nach drei Krebserkrankungen berechtigt erscheint. 1991 wurde ihr aufgrund eines Krebses ihr Bein amputiert. Viele Preetzer, die Andrea Zimmerer und ihre Krankengeschichte kennen, und sie in diesen Tagen in Preetz treffen, umarmen sie weinend und freuen sich mit ihr für den großen Erfolg in Peking. "Das ist wirklich nett und witzig. Viele sprechen mich an. Sogar Fremde, die mich aus dem Fernsehen und den Presseberichten kennen. Es ist schön, dass sich alle Leute für mich freuen", strahlt Andrea Zimmerer.

In China ist Tischtennis der Volkssport Nummer Eins. Auch die Paralympischen Spiele und jede Tischtennisentscheidung wurde live im Fernsehen übertragen. Auf riesigen Leinwänden an den Hochhäusern in den Städten sahen sich die Athleten selbst Tischtennis spielen. So auch Andrea Zimmerer. Auf dem Rückweg zum Olympischen Dorf von den Mannschaftsspielen, bei dem das Deutsche Team Silber holte, wurde die Freude bei der Siegerehrung in den Nachrichten auf den Leinwänden wiederholt, so dass das Team sich selbst sah. "Das war unfassbar und wir schrien vor Freude im Bus als wir uns da selbst im Fernsehen sahen", freut sich Andrea Zimmerer noch immer. In Deutschland hatte sie allerdings nicht mit einer großen Reaktion gerechnet. "Ich sagte einem Spielkollegen noch im Flugzeug nach Hause, dass der Empfang bei mir wohl eher klein ausfällt, weil mich gar nicht so Viele kennen", erinnert sie sich. Tatsache war jedoch, das bei Schwester Frauke Naase ( Flüggendorf) die Telefone heiß liefen. In geheimer Mission holte die Schwester Andrea Zimmerer allein vom Flughafen ab. Aber zu Hause wartete bereits eine riesige Menschenscharr auf Andrea Zimmerer. Ihre Nachbarn, der Bürgermeister Schellhorns, Gerd Baumgarten, sein Stellvertreter Ingo Bubert und der Bürgermeister aus Preetz, Wolfgang Schneider samt Ehefrau, Freunde und Tischtennisspieler waren gekommen, um Andrea Zimmerer einen großen Empfang zu bereiten. Und noch immer kann sich die Medaillengewinnerin kaum vor Blumengrüßen und Glückwunschpost retten. Trotz dieses Erfolges und dieser Bestätigung möchte Andrea Zimmerer künftig weniger Rollstuhltischtennis spielen. "Die vergangenen drei Sommer habe ich nur in der Halle verbracht und mich ganz dem Training gewidmet. Jetzt freue ich mich, mal Tandem mit meinem Mann fahren zu können oder endlich wieder Bridge spielen zu können", erklärt Andrea Zimmerer. Zudem glaubt Zimmerer, dass ihre Eindrücke und der Erfolg bei den Paralympic 2008 einmalig und nicht mehr zu toppen sind. Und so ist ihre erste Teilnahme an Paralympischen Spielen zugleich ihre letzten. "Die Spiele waren einfach perfekt. Die Menschen waren nett, freundlich, beispielhaft hilfsbereit und stets im Zeitplan", resümiert sie. Zur Unterstützung reisten ihre Eltern, Klaus und Brigitte Gutknecht, und Ehemann Frank Zimmerer mit nach Peking. Viel Zeit für gemeinsame Erkundungstouren blieb allerdings nicht. Das Olympische Dorf, das etwa 5000 Teilnehmer der Paralympics beherbergte, beeindruckte die ganze Familie. Von riesigen Hochhäusern über Banken, Poststellen bis hin zu einem Teehaus glich das Dorf einer eigenständigen Stadt.

Nun steht Andrea Zimmerer noch ein schöner Termin bevor. Am 08. Oktober ist sie mit knapp 50 weiteren behinderten Sportlern, die zum "Top Team" des von Bundespräsidenten Köhler ins Leben gerufene Förderpogrammes für erfolgreiche behinderte Sportler zählen, bei Bundeskanzlerin Angelika Merkel eingeladen und wird dort für ihre sportlichen Erfolge geehrt.

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