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Kieler Nachrichten,23.09.2008

Tischtennis
Posted by Administrator (admin) on Jan 17 2009 at 03:47
Presse >> Tischtennis

Die Pappteller sind nun Vergangenheit

Andrea Zimmerer hatte viel zu erzählen

Schellhorn – Bei ihrer Rückkehr von den Paralympics in Peking hatte Tischtennis-Ass Andrea Zimmerer nicht nur zwei Medaillen im Gepäck. „Es waren auch unzählige Eindrücke von Land und Leuten, Sport und Kultur, die ich erst einmal verarbeiten muss“, sprudelt es aus ihr heraus.

 

Von Ralf Harmuth
„Eins, zwei, smile!“: Drei Wochen im Land des Lächelns haben die 43-jährige beinahe zu einem Medienprofi gemacht: „Es war unglaublich. Oft wurden wir auf der Straße angesprochen, und selbst an der Passkontrolle vor dem Heimflug wurden wir noch erkannt und um ein Foto gebeten“. „Eins, zwei, smile“ - keine lästige Routine für die Medaillengewinnerin, sondern Dankbarkeit, dass die Leistungen der Behinderten mit so viel Aufmerksamkeit wahr genommen wurden. Das Interesse der Öffentlichkeit an den Paralympics zeigte sich nicht nur an den vollen Stadien. „Auf Leinwänden an den Fassaden der Hochhäuser wurden die Wettkämpfe übertragen“, berichtet Andrea Zimmerer, die so ihre eigene Siegerehrung auf dem Weg ins olympische Dorf ein zweites Mal genießen durfte. Gefeiert wurde im deutschen Club, denn das olympischen Dorf war eine alkoholfreie Zone. Ansonsten war die Verpflegung auf alle Bedürfnisse vorbereitet. „Nur beim Geschirr waren wir alle gleich“, erzählt die Rollstuhlfahrerin, dass der dreiwöchige Gebrauch von Papptellern jetzt ein Ende hat. Die Eröffnungsfeier genoss Andrea Zimmerer, die als Nummer eins der Weltrangliste angereist war, noch zurückhaltend: „Ich hatte gleich am nächsten Tag mein erstes Gruppenspiel und war doch ein bisschen nervös.“ Nachdem sie sich mit 3:0 deutlich gegen die Polin Barbara Barszcz durchgesetzt hatte, löste sich die Anspannung. Das restliche Programm war zwar sehr anstrengend, „aber ich habe jeden Satz vor der tollen Kulisse genossen.“ Und Andrea Zimmerer kämpfte ja nicht allein: Mitten unter den tausend chinesischen Zuschauern sorgten ihr Ehemann Frank sowie ihre Eltern, Brigitte und Klaus Gutknecht, mit ihren Anfeuerungsrufen für Verwirrung. „Die Chinesen dachten, wir jubeln an der falschen Stelle, bis sie merkten ,dass auch deutsche Fans in der Halle waren“, erzählt Brigitte Gutknecht. Ein Schild um den Hals sorgte dafür, dass der Schellhorner Fanclub immer rechtzeitig zu Stelle war und anschließend auch den Weg zurück fand: Auf der einen Seite stand der Name des Hotels, auf der anderen die Sporthalle. Ihren einzigen freien Tag verbrachte Andrea Zimmerer wieder mit Tischtennis: „Für eine Reportage des Fernsehsenders ntv habe ich in einem riesigen Freizeitpark mit ein paar Besuchern gespielt.“ Zuhause nahmen derweil ihre Schwestern Frauke und Ulrike die Organisation der Medaillenfeier in die Hand. Vielen waren in den Buchenweg nach Schellhorn gekommen, um zu gratulieren. Natürlich wollte jeder einmal im Leben eine olympische Medaille in den Händen halten. Im Angebot hatte Andrea Zimmerer Bronze und Silber. Ihr Einzel- Halbfinale verlor sie noch gegen die favorisierte, 20 Jahre jüngere, Chinesin. Im Finale des Team-Wettbewerbs gelang ihr die sensationelle Revanche. Der Punkt reichte nicht für Gold, aber dafür gab es diese Bilder endlich auch zur besten Sendezeit im deutschen Fernsehen.

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